Die Genusswoche
Vom 16. bis 26. September 2021
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Editorial 2021 – Für das Recht auf eine gute Ernährung

Wir wollen ein bisschen rechnen. Gemäss Schätzungen der FAO geht ein Drittel der produzierten Lebensmittel verloren oder wird verschwendet, was ungefähr 1,3 Milliarden Tonnen pro Jahr entspricht. Gleichzeitig zählt 820 Millionen Personen am Hungern, 2 Milliarden Menschen ohne regelmässige, gesunde Nahrung oder genügend davon, und weitere zwei Milliarden mit Übergewicht oder Obesität: 4,8 Milliarden von 7,8 Milliarden Personen leiden an ihren Tellern (zu leer oder zu voll).

Zusammengefasst macht das 60 % des Planeten mit einem Ernährungsproblem aus. Und dies berücksichtigt mit der Nahrung verbundene Krankheiten wie Allergien, Diabetes, Kreislaufkrankheiten nicht.

Seit zehntausend Jahren hat sich unser Körper an eine ausgesprochen menschliche Ernährung gewohnt. Heute ist die industrielle Ernährung umgewandelt und liefert zu viel schlechtes Material für einen gesunden Körper. Die Produktionsmethoden des Agrobusiness sind für die katastrophalen Pandemien mitverantwortlich geworden.

Noch schlimmer, die Ergebnisse des Agrobusiness werden genauer: mit Kapseln, welche denjenigen des Kaffees gleichen, können bald individuelle Nahrungsbomben konsumiert oder ein 3D-Drucker verwendet werden, um Essen zuzubereiten, die den elektronisch gespeicherten Gesundheitsempfehlungen entsprechen.

Aber wer ernährt den wirklich die Menschheit? Nur 25 % der Lebensmittel, die wir essen, kommen von grossen, industrialisierten Landwirtschaftsbetrieben. Diese Landwirtschaft ist für 75 % der Umweltschäden auf der Welt verantwortlich. Übrig bleiben die 75 % der landwirtschaftlichen Produktion von «noch» kleinen Bauern. Sie bevorzugen noch die Gesundheit pro Hektar, und nicht den Ertrag pro Hektar! Und es sind auch sie, die Autoren wichtiger Erfindungen sind: lieber die low-tech-Technologie als die high-tech. Sie ernähren uns unter Berücksichtigung der Jahreszeiten, der Samen und der kulinarischen Traditionen.

Wir stehen an einer Kreuzung: ein neues Landwirtschaftsmodell ist auf der Erde auf dem Vormarsch. Es verlangt, dass wir, die Konsumenten, unser Schicksal in die Hand nehmen. Die grosse Eroberung des 21. Jahrhunderts könnte das Recht auf gute, gesunde und richtige Nahrung sein. Mit dem Recht zu wissen, was wir essen und dem Recht, für die Gesundheit dauerhaft gute Produkte zu wählen. Mit dem Recht, die falsche, chemisch geschmacklose Nahrung zu verweigern.

Sie werden mich fragen, was die Genusswoche mit so globalen Themen zu tun hat. Im Herzen des grössten Ess-Anlasses der Schweiz weisen wir mit Leidenschaft der Nahrung wieder ihre Rolle als unsere erste Medizin zu, ihren Platz für jede und jeden, ohne soziale Apartheid.

Alle Anlässe, die wir geduldig in der ganzen Schweiz dank zahlreichen Freiwilligen zusammengetragen haben, werden Ihnen für ein gemütliches und freudiges Zusammentreffen rund um den Geschmack angeboten. Dies ist die Berufung unserer Stiftung.

Josef Zisyadis, Direktor der Stiftung Fondation pour la promotion du Goût, Mitglied des nationalen FAO-Komitees (CNS-FAO)

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