Die Genusswoche
Vom 15. bis 25. September 2022
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Editorial

Editorial 2022 – Für Menschen, Tiere und unseren Planeten

Wir sind bereits die vierte Generation, die sich mit industriell hergestelltem Junkfood ernährt, was Fettleibigkeit, Diabetes, Unfruchtbarkeit und Krebserkrankungen nach sich zieht. Seit kurzem sehen wir ausserdem einen Rückgang der Lebensdauer bei guter Gesundheit. Das heisst, wir leben zwar länger, aber mit degenerativen Krankheiten, was die Taschen der Pharmaindustrie füllt.

Wenn Sie weiter die Differenz der Lebenserwartung zwischen den Reichsten und den Ärmsten beachten, die mindestens zehn Jahre beträgt, dann haben Sie die Quadratur des Kreises unserer Nahrung, welche unsere erste Medizin sein sollte.

Im gleichen Zeitraum sind jedoch die Ausgaben für Lebensmittel im Haushaltsbudget auf weniger als 6 % zurückgegangen, weniger, als für den Kauf von Handys und anderer Elektronik ausgegeben wird. Man will schnell und möglichst billig essen und kauft alles in den Supermärkten am Stadtrand ein.

Wir haben ein Zwei-Klassen-Lebensmittelsystem. Auf der einen Seite gibt es hochwertige lokale Nahrungsmittel aus biologischem Anbau für diejenigen, die es sich leisten können. Auf der anderen Seite minderwertige Produkte, die von der ärmsten Bevölkerung konsumiert werden, mit Folgen für Gesundheit und Umwelt.

Mit diesen traurigen Fakten in unseren Tellern werden wir nicht weit kommen. Es herrscht ein Klimanotstand, weil es einen Ernährungsnotstand gibt. Industrielles Junkfood ist eng mit dem Verlust der Artenvielfalt, der Wasserverschmutzung und der Zerstörung der Böden verbunden. Er trägt stark zur globalen Erwärmung bei.

Seit 22 Jahren organisieren wir die Schweizer Genusswoche! Wir haben erfreuliche Einsichten beobachtet, aber befürchten, dass die Globalisierung der Pandemien und die Rückkehr des Krieges auf unserem Kontinent die Agrarindustrie stärken wird. Wir wollen nicht, dass die kulinarischen Traditionen verschwinden und die Gerichte globalisiert werden. Wir wollen nicht, dass Fertigmahlzeiten sich weiterverbreiten und letztendlich Küchen in Wohnungen abgeschafft werden. Wir wollen kein Hors-sol-Essen und keine kulturelle Rückständigkeit.

Jedes Jahr wird eine Schweizer Genussstadt ernannt. Städte beherbergen die Hälfte der Menschheit. Sie haben eine Schlüsselrolle bei der Umgestaltung der Nahrungsmittelsysteme und bei der Förderung des guten Essens zu spielen. Basel hat sich genau dieser Perspektive verschrieben. Es will angesichts der Herausforderungen der globalen Erwärmung eine langfristige, städtische Ernährungspolitik ins Leben rufen. Wir sind eingeladen, in Basel die Nahrung zu feiern und uns zusammen mit der Chefköchin Tanja Grandits, der Patin der Genusswoche, auf das Essen von Morgen vorzubereiten.

Die Stiftung Fondation pour le Goût mit ihren vier nationalen Projekten (Schweizer GenusswocheKulinarische GenussorteSwiss Wine TourKulinarische Meriten Schweiz) ist sich bewusst, dass sie für die Zukunft des Essens in unserem Land arbeitet: eine Zukunft des geschmacklichen Vergnügens, mit einer bäuerlichen Landwirtschaft, einem kulinarischen Erbe und authentischer Gastfreundschaft. Begleiten Sie uns bei dieser Herausforderung für die Menschen, die Tiere und den Planeten!

Josef Zisyadis
Direktor, Fondation pour la promotion du Goût
Mitglied des Schweizerischen nationalen FAO-Komitees (CNS-FAO)

 

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